Es wehte ein Hauch von Nostalgie über den Kunstrasenplatz am Nattenberg, als der frühere Stadionsprecher Arndt Marburger am Mikrofon die rund 120 Zuschauer aufforderte: „Begrüßen sie beide Mannschaften und den Schiedsrichter mit dem freundlichen Nattenberg-Applaus.“ Zuvor hatte Marburger die Zuschauer bereits zum „Südwestfalen-Klassiker“ zwischen den „alten Rivalen“ RWL und SSV Hagen willkommen geheißen.

Zugegeben, der „Südwestfalen-Klassiker“ stammt aus sportlich erfolgreicheren Zeiten der Vereine, als sich beide unter anderem in den 1970er-Jahren immer wieder auf höchstem westfälischem Fußball-Niveau duellierten. Nun trafen sich die ersten Mannschaften in der Bezirksliga aufeinander – und zeigten den Zuschauern am Nattenberg über weite Strecken ein intensives Spiel, das sich allerdings sportlich auf einem überschaubaren Niveau bewegte.

Aus Sicht seiner Mannschaft sah das auch RWL-Trainer Martin Rost so: „Normalerweise werde ich während der Halbzeitpause in der Kabine nicht laut. Aber das, was wir in der ersten Halbzeit geboten haben, war schlichtweg eine Katastrophe. Vor allem defensiv haben wir viele Fehler gemacht. Wenn wir nur annähernd Normalform erreicht hätten, wäre ich ja schon zufrieden gewesen“, fand der Coach klare Worte nach dem am Ende deutlichen 4:1 (1:1)-Erfolg in einem lange Zeit jedoch offenen Spiel gegen den Landesliga-Absteiger. „Ich bin wirklich froh, dass wir das Spiel am Ende noch so deutlich für uns entschieden haben.“

Die Rot-Weißen leisteten sich in der Abwehrarbeit ungewohnt viele technische Unzulänglichkeiten und Stellungsfehler, die dem Gast aus Hagen immer wieder Räume und Möglichkeiten boten. Auch im Spiel nach vorne war am Sonntag viel Sand im Getriebe, spielten die Rot-Weißen vor allem ihre läuferische Überlegenheit nicht konsequent aus. Das gelang erst, als der Gegner in der Schlussphase konditionell abbaute und Geburtstagskind Elia Benjamin König mit seinem Doppelpack in den Schlussminuten den Sack zu machte.

Die Hagener fühlten sich unterdessen um einen möglichen Punkt betrogen, als Schiedsrichter Fatih Bayrak den gestarteten Berke Tombul kurz vor Ende der Partie beim Stand von 2:1 für RWL wegen einer angeblichen Abseitsstellung zurückpfiff. Aus Sicht des SSV erfolgte der Pfiff des Unparteiischen nur „auf Zuruf des Gegners“. Allerdings hätte der Hagener auch erst noch Keeper Jan-Niklas Reischel überwinden müssen, und der war im „altehrwürdigen Südwestfalen-Klassiker“ glänzend aufgelegt und gehörte zu den besten Rot-Weißen an diesem Tag.